PRO BAHN NRW e.V.


Kahlschlag im Stadtverkehr Wesel – AST ist keine Lösung
Der Fahrgastverband PRO BAHN sieht in dem am 29.08. eingeführten neuen Fahrplan auf den
Weseler Stadtlinien die krasse Folge der untauglichen ÖPNV-Politik des Kreises und der Untätig-
keit der Stadt. „Wenn das einzige Ergebnis eines interfraktionellen Arbeitskreises zusammen mit
der Verwaltung die Einrichtung eines Anruf-Sammel-Taxis (AST) für drei Ortsteile an drei Tagen
in der Woche ist, dann ist für die weitere Zukunft noch einiges zu befürchten“, so PRO BAHN-
Pressesprecher Lothar Ebbers in einer ersten Einschätzung. Offenbar habe nur ein Kriterium bei
der Entscheidung für AST und gegen Stadtbus und TaxiBus eine Rolle gespielt: „Es darf Stadt
und Kreis nichts kosten!“

Mit dem neuen Fahrplan wurde das Abendangebot werktags um rund 80 % reduziert, es pendelt
nur noch die Linie 85 von Wittenberg nach Flüren im Zweistundentakt. Nur an Freitagen verkehrt
ein AST als Ersatzangebot für Bislich, Lackhausen und Blumenkamp mit zwei Fahrtenpaaren,
Schepersfeld und Fusternberg bleiben außen vor. Wer ab 19 Uhr aus den Großstädten an Rhein
und Ruhr nach Wesel zurückfährt, wird ab dem Bahnhof zumeist kein Angebot mehr für die letz-
ten Kilometer vorfinden, das trifft dann auch zahlreiche Berufspendler.

Samstags tagsüber werden fast alle Linien auf Zweistundentakt reduziert. Selbst der Hinweis der
NIAG auf Verdichtung auf Stundentakt durch Linienüberlagerung z. B. für Flüren ist falsch: Die Li-
nien 85 und 86 verkehren im Abstand von 30 und 90 Minuten, dasselbe gilt für die Grünstraße
mit den Linien 85 und 96. Eine Nutzung des Busses für Einkaufsfahrten ist so kaum mehr mög-
lich, wer möchte schon ein bis zwei Stunden auf die Rückfahrt warten. Lackhausen wird sams-
tags gar nicht mehr vom Bus angefahren, das Ersatzangebot mit AST für die drei Stadtteile star-
tet aber erst am Spätnachmittag: Statt bislang 14 Fahrmöglichkeiten jetzt nur noch drei bzw. vier
– um die sich der Fahrgast dann per Anruf lange vor Abfahrt selbst kümmern muss.

Am Sonntag ist nur noch die Linie 85 unterwegs, teils stündlich, teils zweistündlich. Das AST be-
dient nur zwei der drei Stadtteile zweistündlich mit sechs Fahrtenpaaren, nach Blumenkamp ver-
kehren nur noch die drei Fahrtenpaare der Linie 64, bisher waren es insgesamt 17 bzw. 18. Ab
20 Uhr verkehrt an Sonn- und Feiertagen überhaupt kein Bus mehr im Weseler Stadtgebiet.

Wurden bisher gestrichene Fahrten auf Hauptlinien durch TaxiBus-Verkehre ersetzt, z. B. auf der
Linie 81, ist das AST als Ersatz eine weitere Zumutung für die Fahrgäste. Es entstehen zusätzli-
che Kosten, da vorhandene VRR-Tickets hierfür nicht ausreichen. Eine AST-Fahrt ist auch nur
von und zur Innenstadt möglich, Feldmark – Bislich geht beispielsweise nicht. Die Bedingungen
beim AST Wesel sind schlechter als bei allen anderen AST-Verkehren in den Kreisen Wesel und
Kleve: Zweistundentakt statt sonst Stundentakt, Anmeldung 60 Minuten vorher statt sonst 30 Mi-
nuten. Dadurch ist mit einer nur minimalen Nutzung zu rechnen, so dass die Verantwortlichen
nachher schnell von einem „fehlenden Verkehrsbedarf“ sprechen und das AST streichen können.

Während in anderen Städten der ÖPNV im Freizeitverkehr immer mehr an Bedeutung gewinnt
und das Bahnangebot auch für Wesel immer mehr ausgebaut wurde, wird in der Stadt Wesel das
Angebot in diesen Zeiten weitgehend gestrichen. Alle Erfahrung zeigt, dass dies auch Auswirkun-
gen auf die Nutzung der Linien tagsüber haben wird, die nächste Sparrunde im Tagesverkehr ist
so schon vorhersehbar.

PRO BAHN fordert statt weiterer Kürzungsrunden eine offensive ÖPNV-Politik in der Stadt, wobei
aufgrund der Untätigkeit des Kreises die Stadt eine aktive Rolle einnehmen muss und auch kann.
Der Fahrgastverband wird in Kürze ein zusammen mit in Wesel wohnhaften ÖPNV-Planern er-
stelltes Stadtbuskonzept präsentieren, das eine verlässliche und attraktive Anbindung aller Stadt-
teile in allen Verkehrszeiten vorsieht und Wesel als Wohn-, Arbeitsplatz- und Geschäftsstandort
stärkt. Hierzu ist eine überschaubare kommunale Finanzierung des Verkehrs sowie ein Wettbe-
werb bei der Vergabe der Verkehrsleistungen erforderlich. PRO BAHN bietet der Stadt Unterstüt-
zung in organisatorischen und konzeptionellen Belangen an, um einen verbesserten ÖPNV ggf.
auch mit eigenen Mitteln im Stadtgebiet umzusetzen.

PRO BAHN Landesverband NRW
Veröffentlicht am 29.08.2018 | 329 Klicks

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