PRO BAHN NRW e.V.


IC 34 – Chancen ausloten statt vorschnell schlechtreden
Der Fahrgastverband PRO BAHN, Landesverband NRW sieht in der Konzeption des IC 34
Frankfurt – Siegen – Münster eine Chance, die Region Südwestfalen an den Fernverkehr
anzuschließen, ohne den Regionalverkehr deutlich zu verschlechtern. Die Konzeption, den
IC möglichst auf ganzer Strecke auch für Nahverkehrsfahrgäste zu öffnen und dafür eine
transparent und neutral ermittelte Ausgleichszahlung durch die Aufgabenträger des
Nahverkehrs, hier den Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), zu leisten, die im Ausgleich
direkt parallele Fahrten der RE-Linien 16 und 99 einsparen könnten, sei ein ausgewogener
Kompromiss zwischen den Interessen von Regionalverkehr und Fernverkehr und zum Vorteil
der meisten Fahrgäste. Bedingung hierfür sei ein durchgängiger 2-Stunden-Takt des IC 34
tagsüber, so dass keine Lücken im Fahrplanangebot entstünden.

Die Vorteile für Südwestfalen lägen auf der Hand: Direkte Verbindungen von Siegen nach
Dortmund (ca. 15 Minuten schneller als heute) und Münster, eine zweite und schnellere
zweistündliche Direktverbindung Siegen – Frankfurt, die auch von Fahrgästen nördlich von
Siegen umsteigefrei genutzt werden könne. Ebenso entstünden direkte und schnellere
Fahrmöglichkeiten aus dem mittelhessischen Raum (Wetzlar, Dillenburg) nach Dortmund
und Münster, auch wenn Gießen nicht direkt angefahren würde; hier sei eine zeitlich
passende Anschlussverbindung Wetzlar – Gießen erforderlich. Auch die Anschlusssituation
in Siegen in der Relation Frankfurt – Köln würde sich gegenüber heute entspannen.

PRO BAHN NRW übersieht dabei nicht einzelne Verschlechterungen. So sei bei Ersatz
einzelner Fahrten des RE 16 zwischen Siegen und Letmathe durch den IC 34 für die
Verbindung Siegen – Hagen ein zusätzlicher Umstieg in Letmathe erforderlich, dasselbe
gelte alle zwei Stunden für die Relation Siegen – Gießen, wo ein Umstieg in Wetzlar
erforderlich würde. Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile überwögen aber die Vorteile
ganz deutlich.

Notwendig für ein solches Konzept sei eine Vereinbarung über die Anerkennung von
Nahverkehrs- und Verbundtickets des Westfalen-, NRW- und RMV-Tarifs im jeweiligen
Geltungsbereich, diese müsse auf jeden Fall alle Verbundtickets, auch z. B. das
Semesterticket, einbeziehen. Zwar sei die rechtliche Zulässigkeit der Mitfinanzierung von
Fernverkehrsleistungen unter Juristen umstritten, beim bislang einzigen
Nachprüfungsverfahren, das für die Tarifanerkennung auf der Mitte-Deutschland-Verbindung
NRW – Kassel – Thüringen angestrengt worden war, sei eine direkte Beauftragung der DB
im Verhandlungsverfahren abgelehnt worden. Die angerufene Vergabekammer Westfalen in
Münster bestätigte aber die rechtliche Zulässigkeit, IC-Leistungen für Nahverkehrskunden zu
öffnen und forderte die Aufgabenträger auf, die Leistungen im Rahmen eines europaweiten
Vergabeverfahrens auszuschreiben.

Um weiteren Spekulationen über die fahrplanmäßige Einbindung des IC 34 in den Fahrplan
der bestehenden Linien vorzubeugen, fordert PRO BAHN NRW die DB und die
Aufgabenträger auf, den aktuellen Stand der Fahrplankonzepte öffentlich zu machen. Bisher
erfolgte Einzelinfos über dafür notwendige Anpassungen im Regionalverkehr seien nur
geeignet, Misstrauen zu streuen und Spekulationen über Verschlechterungen anzuheizen.
Das sei nach Ansicht von PRO BAHN NRW nicht im Interesse der Fahrgäste.

Lothar Ebbers
Veröffentlicht am 07.11.2017 | 97 Klicks

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