Bundesverband |  Landesverband NRW |  Impressum
Logo Fahrgastverband

Regionalverband Ruhr

Navigationsstrich PRO BAHN  Navigationspfeil Aktuelles  Navigationsstrich Ruhrschiene  Navigationsstrich NRW-Grundsatzprogramm  Navigationsstrich Rhein-Ruhr-Express  Navigationsstrich Downloads 
Navigationsstrich Aktuelles  | Archiv 
Stop and Go auf der Betuwe-Strecke
In den letzten Monaten gab es bei der Planung der Betuwe-Strecke Emmerich – Oberhausen unterschiedliche Informationen. Zunächst wurde am 11.11.10 im Verkehrsausschuss des Bundes die Neubewertung der bisherigen Vorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP) vorgestellt. Dabei rutschte die ABS (Amsterdam –) Grenze D/NL – Emmerich – Oberhausen (so der offizielle Titel) in der Bewertung von einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von bislang 5,3 auf nur noch 1,2. Hintergrund ist vor allem, dass im Bezugsfall für die Bewertung bereits die Kapazitätserhöhung durch Blockverdichtung und Bau des ESTW Emmerich unterstellt wird. So reduziert sich die Anzahl der zusätzlich zu fahrenden Güterzüge durch den Bau des dritten Gleises sehr stark, sie wird zusätzlich durch Streckenengpässe im südwestdeutschen Raum eingeschränkt.

Sofort wurde in der Region gemutmaßt, dass sich der Bund und die DB aus dem Bau des dritten Gleises und damit des Lärmschutzes an der Strecke herausmogeln wollten, zumal inzwischen bekannt wurde, dass auch die Aktivierung der Walsumbahn (Spellen – Duisburg-Walsum – Oberhausen) durch Wiederherstellung des Anschlusses an den Bahnhof Wesel im Rahmen eines Wachstumsprogramms für Hafenhinterlandverkehre von der DB ins Auge gefasst wurde. Diese Strecke könnte dann nach Ertüchtigung und Elektrifizierung einen Bypass für den Abschnitt Wesel – Oberhausen bilden.

Erst nach einer Sitzung des Betuwe-Beirats am 25.1. in Düsseldorf gab es erste positive Nachrichten, die auf einem von Bundes- und Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien veranstalteten „Betuwe-Gipfel“ in Dinslaken am 31.1. auch vor Ort erläutert wurden. So habe der Verkehrs-Staatssekretär des Bundes, Prof. Scheurle, die Zusage abgegeben, dass der Bund am Ausbau der Strecke mit Lärmschutz festhalte, eine Finanzierungsvereinbarung solle nach Abschluss der Planfeststellungsverfahren möglichst schnell abgeschlossen werden. Hierbei hat das Land angeboten, seinen Finanzierungsanteil von 36 % zunächst einzusetzen, wenn anschließend die Weiterfinanzierung durch den Bund ohne Verzögerung gesichert ist. Hintergrund ist, dass das Land die Gelder, die aus Regionalisierungsmitteln stammen, nur bis 2019 einsetzen kann. Das Fehlen eines Vertreters aus dem Bundesverkehrsministerium beim „Betuwe Gipfel“ wurde von Teilen der Zuhörerschaft mit großem Unmut aufgenommen.

Wie zu erfahren war, sind die Planungen verzögert worden, da die Planfeststellungsunterlagen aufgrund der neuen Belastungszahlen aus dem BVWP aktualisiert werden müssen. Dies gilt auch für die Blockverdichtung in Zuge des ESTW-Ausbaus, für die ebenfalls ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird. Parallel dazu will die DB auf 8 Kilometer Strecke im dicht bebauten Gebiet eine innovative Lärmschutzmaßnahme installieren, sogenannte Schienenstegdämpfer. Diese Maßnahme kann die DB aus dem Konjunkturprogramm finanzieren.

Als Grund, weshalb diese schnell wirksame Lärmschutzmaßnahme gerade in einigen besonders stark belasteten Abschnitten nicht umgesetzt werden soll, wurde angegeben, dass hier eine Verschiebung der Gleislagen im Zuge der vorgesehenen Ausbaumaßnahme notwendig sein würde und sich der Aufwand daher an solchen Stellen nicht lohne. Dies überrascht, denn gerade die gewählten Schienenstegdämpfer sollen sich dadurch auszeichnen, dass sie leicht wieder entfernt und anschließend erneut eingebaut werden können. Da hier diese besondere Baustellentauglichkeit gegeben sein soll, wäre es sicher ein sehr positives Signal an die Bevölkerung, wenn der Feldversuch auch auf die bisher nicht vorgesehenen Abschnitte ausgedehnt würde. Dieses hätte wahrscheinlich auch eine höhere Belastbarkeit der beim Feldversuch gewonnenen Erkenntnisse zur Folge.

Gegenwärtig befinden sich mehrere unterschiedliche innovative Lärmschutzsysteme in der Erprobung. So kann z. B. die feste Fahrbahn INFUNDO insbesondere den Körperschall deutlich mindern (DB-Versuchsanlage Waghäusel bei Karlsruhe). Niedrige, besonders geformte Lärmschutzwände in unmittelbarer Nähe der Schienen können durch mehrfache Reflektion des Schalls und dessen weit nach oben gerichtete Ableitung einen maßgeblichen Effekt erzielen. Neuartige transparente Schallschutzelemente zeichnen sich nun auch durch ein bisher nicht erreichtes Absorptionsvermögen aus. In dieser unvollständigen Aufzählung sollen die besohlte Schwelle, sowie (begrünbare) Gambionen-Schutzwände nicht unerwähnt bleiben.

Durch eine sinnvolle Kombination neuartiger Systeme wäre eine städtebaulich verträgliche Gesamtlösung zu erwarten, da die ggf. weiterhin notwendigen Lärmschutzwände aufgrund des dann geringeren Restlärms deutlich niedriger ausfallen könnten, bzw. z. B. durch den Einsatz transparenter Systeme der ortszerschneidende Effekt einer intransparenten Wand entfiele.

Leider dürfen die Lärmreduktionen dieser neuen Konzepte bisher nicht in die Berechnung der erforderlichen Höhe der Lärmschutzwände Eingang finden. Eine Ausnahme könnten evtl. in absehbarer Zeit die o. g. Schienenstegdämpfer darstellen. Damit diese neuen Konzepte Eingang in die Planung finden können, sollte der bereits mehrfach von politischen Vertretern angeregte Gedanke weiter verfolgt werden, die Ausbaustrecke Grenze NL/D – Emmerich – Oberhausen als Erprobungs- und Referenzstrecke für eben solche innovativen Lärmschutzlösungen einzustufen. Zudem sind die politischen Vertreter aufgerufen, die rechtlichen Voraussetzungen für die Berücksichtigung neuer Lösungen schnell zu schaffen.

Die Aufhebung des sog. Schienenbonus (5 dB) bei der Bestimmung zulässiger Schallemmisionswerte wurde auch von den anwesenden politischen Vertretern als wichtiges Ziel hervorgehoben. Wir unterstützen dieses Ziel ausdrücklich und wünschen den Parlamentariern viel Erfolg bei der zeitnahen Umsetzung.

Während der Veranstaltung wurden die Unterschiede in der Bewertung der erreichbaren Sicherheit – insbesondere im Vergleich zur Betuwe-Route auf der niederländischen Seite – zwischen Herrn Latsch von der DBAG und den kommunalen Vertretern offensichtlich. Es ist aber positiv zu vermelden, dass nun die anliegenden Feuerwehren enger in die Gestaltung des Sicherheitskonzeptes mit eingebunden werden sollen. Im Interesse der Streckenanwohner ist zu hoffen, dass die Argumente und Vorschläge der Feuerwehren hinreichend berücksichtigt werden, zumal Gefahrguttransporte in den Niederlanden nun verstärkt über die dort sehr sicher gestaltete Strecke geführt werden.

In den letzten Monaten hat sich die Belastung der Strecke mit Güterzügen merklich erhöht. Immer häufiger können diese im Knoten Oberhausen nicht abfließen, so dass dann Güterzüge im Bahnhof OB-Sterkrade in Gleis 3 auf Weiterfahrt warten müssen. Überholungen des RE 5 durch den verspäteten ICE erfolgen immer wieder in Dinslaken im Gegengleis, und wenn dann bis zu drei Güterzüge hinter dem RE 5 nach Süden durchgeschleust werden, verspätet sich regelmäßig die folgende RB 33 nach Mönchengladbach trotz pünktlicher Abfahrt in Wesel bis zu 10 Minuten, so dass die Anschlüsse in Oberhausen und Duisburg verpasst werden.
In diesem Zusammenhang erscheint auch der seitens der EU geforderte Vorrangkorridor für internationale Güterzüge als Bedrohung für den wichtigen SPNV auf dieser Stecke.

Diese Erkenntnis wurde auch von den anwesenden Parlamentariern geteilt. Ein denkbarer Lösungsansatz wäre die Forderung, die SPNV-Verbindung zeitnah nach Arnheim zu verlängern, um so durch den dann geltenden Status einer internationalen SPNV-Verbindung gegenüber dem Güterverkehr hinsichtlich Trassenvergabe und Betriebsabwicklung höher priorisiert zu werden.

Quelle. Niederrhein-Info / Ruhrschiene
Veröffentlicht am 22.02.2011 | 7.821 Klicks

Mehr News

Navigationspfeil Impressum   Navigationspfeil Datenschutzerklärung | © Copyright 2010-2019 PRO BAHN Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.
Erstellt mit Apexx Portalsystem - © Stylemotion.de