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Kritik am Thalys
Leserbrief von Klaus van den Kerkhoff (Aachen)
Dieser Leserbrief erreichte uns von Klaus van den Kerkhoff aus Aachen und wird im Folgenden in ungekürzter Form wiedergegeben:

Ich meine, daß "Thalys" das Reisen unnötig kompliziert macht und keine Vorteile bringt.

Schnelle Züge zwischen Köln und Paris sind zu begrüßen, doch ließe sich das Angebot viel besser und attraktiver gestalten. Leider hat man zwischen Köln und Paris auf direktem Wege keine Alternative, da DB und v.a. SNCF Konkurrenz anderer Anbieter zu verhindern wissen. Zu erwägen ist die Fahrt mit Umsteigen in Mannheim, zumal dafür günstige "Europa-Spezial"-Angebote der DB im Angebot sind und die Bahncard auf der gesamten Strecke anerkannt wird.

Komfort:
Sehr enge Einstiegsbereiche, wenig Platz fürs Gepäck (da aber viele Reisende mit großen Gepäck unterwegs sind, werden die Türbereiche oft mit Koffern zugestellt, von Kinderwagen o.ä. ganz zu schweigen), enge Sitze und Gänge und nur 1 Tür pro Wagen - dadurch minutenlange Staus beim Ein-/Aussteigen (Kostbare Minuten werden durch die energiefressende Höchstgeschwindigkeit gewonnen, gehen aber beim Aussteigen wieder verloren...).
Regelmäßig kann der Regionalexpress nach Aachen im Kölner Hbf erst verspätet losfahren, da der Thalys, der kurz vorher fahren soll, wegen des Staus beim Einsteigen nicht planmäßig abfahren kann.

Keine Fahrplaninfos im Zug (in deutschen Fernzügen liegt ein informatives Faltblatt aus, zudem informieren Ansagen über Anschlusszüge, und im ICE sind Informationen per Leuchtanzeige verfügbar), nervende viersprachige Ansagen in schlechtem Sounddesign vom Band, statt Speisewagen nur Fast-Food im Barwagen (ohne Aufenthaltsqualität), kein Minibarservice, keine Kopfhöreranschlüsse, keine Reservierungsanzeigen an den Sitzen.
Pendler zwischen K und AC dürfen nur in Wagen 28 Platz nehmen und werden andernfalls (manchmal rüde) des Platzes verwiesen (was bezweckt diese Regelung eigentlich?), dadurch in Wagen 28 Gedrängel im Berufsverkehr und Unsicherheit, ob der eingenomme Sitzplatz nicht doch reserviert ist.

Enge Toiletten.
Fußstützen nicht für größere Menschen geeignet (man vergleiche mit den stufenweise arretierbaren und nach unten einklappbaren Fußstützen im ICE)

Ahnungslose Reisende werden in den (mit lautem Schmatzen öffnenden und sich unberechbar schließenden) automatischen Zwischentüren eingeklemmt. Immer wieder sieht man Reisende zögernd suchen, wie man die Türen öffnet (es scheint am Design der Türgriffe zu liegen...). Wer das Glück eines Sitzplatzes neben einer der Zwischentüren hat, kann Dutzende Male während der Fahrt beim Türgeräusch zusammenzucken.... Übrigens sind diese Griffe erstaunlich oft defekt.

Dieses lästige System wird in französischen Zügen unverändert seit über 25 Jahren verwendet!
Nur ein Beispiel für die durchdachte Konzeption deutscher Züge: Im ICE öffnet sich die Tür automatisch und geräuschlos und schließt sich niemals, wenn noch jemand im Durchgang steht.

Lustig auch das Design der 2010 neugestalteten Toiletten: Während auf die Fußhebel für den Wasserhahn verzichtet wurde, gibt es für den Abfallbehälter nun einen Fußhebel. Aber man muss schon Glück haben, ihn überhaupt zu bemerken. (Allerdings ist er sowieso meistens defekt.) Um darauf hinzuweisen, wurden inzwischen selbstgebastelte Klebepfeile angebracht.
Solcher Murks ist typisch für Frankreich - zwar in gewissen Bereichen durchaus charmant, aber letztlich ein Grund, warum auch in Frankreich technische Erzeugnisse "fabriqué en Allemagne" hoch geschätzt werden...
Die WC-Tür öffent sich so nach innen, daß es für das Betreten und Verlassen des WC unbequem ist .
Daß aus den Wasserhähnen kein Wasser kommt, ist bei Thalys ein geläufiger Defekt.

Den Schalter für die Leseleuchten würde man unten am Sitz zwar nicht vermuten, doch ist er so grell beleuchtet, daß man ihn nicht übersehen kann. Warum aber gleich daneben der Knopf zur Sitzverstellung nicht beleuchtet ist, ist unklar: Geblendet durch den Leselampenknopf kann man ihn kaum sehen kann.

Unvorstellbar peinlich: In der Fahrplanbroschüre für 2010 war ein Zug nach Köln verzeichnet, der nicht verkehrte! Und dies sowohl in der Version für französische Reisende wie auch in der deutschen Version.
Französisch-belgische Schlamperei...

Tarifsystem:
Durch die Reservierungspflicht erscheint das Angebot von (inzwischen nur noch) 5 (kurzen) Zügen (anfangs waren es immerhin 7) immer ausreichend: Denn überfüllte Züge kann es somit nicht geben, doch wird auch nicht sichtbar, wo Bedarf an mehr Kapazität wäre. Wer keine Sitzplatzreservierung mehr bekommt, erscheint ja nicht am Bahnhof ja gar nicht erst am Bahnhof.
Spontanes Reisen wird unattraktiv. Wer kurzentschlossen eine Fahrkarte zum teuren Normalpreis kaufen will, muss damit rechnen, daß kein Platz mehr frei ist. Steigt man dennoch ein und kauft eine Fahrkarte beim Schaffner, sind 25 Euro Aufpreis fällig, und man darf auf dem Notsitz am Eingang Platz nehmen - sofern der nicht durch Gepäck verstellt ist.
Aber immerhin:Auf diese Weise kann man auch bei ausgebuchtem Zug noch mitfahren. Man muss es nur wissen - nirgends wird man über diese Möglichkeit informiert. Notfalls also: Einfach einsteigen und das Portemonnaie bereithalten!

Da kann die Fahrt mit dem komfortablen ICE über Mannheim bis Paris-Est eine interessante Alternative sein, die ab Köln bzw. Nordwestdeutschland nicht viel länger dauert:
Dafür wird die Bahncard auch auf dem französischen Streckenteil anerkannt (25 % Ermäßigung). Die (über die Internetseite www.bahn.de und am Schalter erhältlichen) "Europa spezial"-Angebote sind oft sehr attraktiv (und können bis 1 Tag vor der Reise storniert werden!).

Gerade ärgere ich mich wieder über die Buchungsseite www.thalys. com: Nicht nur, daß sie sehr primitiv ist und die deutsche Version schlecht übersetzt ist - weder für die Hinfahrt noch für die Rückfahrt gelang es mir, eine Fahrkarte zu kaufen. Dies trotz mehrerer Versuche und bei Eingabe verschiedener Kreditkartennummern.
Besser ist es, bei der Bahnreiseagentur "Gleisnost" (s.o.) anzurufen - dort kennt man sich aus und kann alles weitere übernehmen.

Noch ein Kritikpunkt:

Thalys gestattet die Fahrradmitnahme nicht (während diese in Frankreich in vielen TGV möglich ist).
Somit müssen Radreisende entweder auf den ICE ab Frankfurt oder Stuttgart ausweichen oder den Nachtzug (CNL) ab Berlin/Hamburg/Hannover/München/Stuttgart.
Das Erstaunliche: Jeder Zug verfügt vorne, zwischen dem Triebkopf und der 1. Klasse, über ein großes Lastenabteil (von außen zugänglich), das, soweit ich sehe, normalerweise leer ist und in dem m.E. problemlos Fahrräder und Kinderwagen Platz fänden. Einen Kinderwagen im Zug unterzubringen ist es ein Riesenproblem. Aber nicht für die Thalys-Gesellschaft...

Alles ist "viel besser gegenüber 1990"?
Die Fahrzeit des Eurocity (EC36) zwischen Aachen-Köln betrug damals 37 Minuten, die Fahrzeit des Thalys heute (nach Streckenausbau!) 39 Minuten.
Bereits vor dem Ausbau der Strecke fuhr täglich ein Eurocity in 5 Stunden von Köln nach Paris.

Es gab zuvor keine grenzüberschreitenden Züge nach Brüssel? 1990 fuhren täglich 14(!) D/EC/EN-Langzüge, jetzt nur noch 5 Thalys- und 4 ICE-Kurzzüge.
Der Nachtzug Köln-Paris wurde mit Einführung von Thalys abgeschafft - früheste Ankunft in Paris nun erst um 10 Uhr! Mein Notartermin zum Kauf der Wohnung war um 9.30 Uhr in Poissy. Dafür konnte ich noch den (inzwischen abgeschafften) Nachtzug ab Frankfurt nutzen. Heutzutage muss man für solche Termine bereits am Vortag anreisen und dann eine Übernachtung einplanen. Ist das Fortschritt?
Weiterreise nach Südfrankreich? Dafür muss man einen ganzen Tag im Zug verbringen. (Woran auch der neue direkte ICE von Frankfurt nach Marseille nichts geändert hat.)

Ferienbeginn oder lange Wochenenden? Verstärkungszüge bei erhöhtem Fahrgastaufkommen gibt es bei Thalys nicht. Alles egal...

Mein Fazit: Das lustlose Angebot eines Monopolisten, das mit peinlichen Werbekampagnen als aufsehenerregend vermarktet wird.
Oder, wie das "Nachrichtenblatt 4/2010" von Pro Bahn e.V. es nennt: "Der aktuelle Fahrplan gleicht mit seinen nur noch fünf, nach französischer Meinung auf nachfragestarken Zeiten liegenden Abfahrten eher einem Programm zur Gewinnmaximierung als einem für die Fahrgäste attraktiven Angebot."

Wozu wurde mit Milliarden Euro an öffentichen Geldern die Strecke ausgebaut, wenn das darauf verkehrende Angebot so bescheiden ist?

ICH TRÄUME von der Wiedereinführung des Nachtzuges nach Köln (und weiter durchs Ruhrgebiet bis Münster z.B.) und von einem privaten Anbieter, der die direkte Strecke (ohne den Umweg über Brüssel) via Charleroi und St. Quentin in 5 Stunden befährt, mit einfachem Preissystem, für Menschen, die es nicht so eilig haben und die lieber in Ruhe, ohne monatelanges Vorausbuchen, nach Paris fahren wollen. Für beides sehe ich Potenzial. Leider fehlt mir das Kapital, um selbst solch ein Angebot zu verwirklichen...

Bis Mitte der 90er Jahre, vor Thalys, war es übrigens möglich, am (auch nachts geöffneten) Schalter im Kölner Hbf einfach eine Fahrkarte von Köln Hbf nach Spanien und zurück, gültig 2 Monate auch mit Fahrtunterbrechungen, zu kaufen und dann gleich loszufahren. Heute sind dafür diverse Einzelfahrkarten zu unterschiedlichen, einzeln herauszufindenden Tarifen nötig, und die Züge Thalys, TGV und alle Fernzüge in Spanien sind generell reservierungspflichtig und oft im voraus ausgebucht.. (Und das Kölner Reisezentrum schließt um 22 Uhr.)
Veröffentlicht am 15.05.2014 | 4.361 Klicks

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