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Bonner Runde kritisiert Foul-Spiel von smart
Die „Bonner Runde“ im Fahrgastverband PRO BAHN, an der auch Mitglieder der Regionalverbände Euregio Aachen und Münsterland beteiligt sind, bemängelt die unfaire smart-Werbekampagne der Firma Daimler gegen den ÖPNV
Vor einer Woche stellte die Automarke smart eine großangelegte internationale Kampagne vor, die von der Agentur BBDO Proximity Berlin produziert wurde  und in der Selbstbestimmtheit und Komfort beim Autofahren der Zwangsgemeinschaft mit - so die Werbebotschaft - unangenehmen und rücksichtslosen Zeitgenossen im ÖPNV gegenübergestellt wird.
Der kurze Werbefilm bedient Klischees und diffamiert Fahrgäste. Es wird der Eindruck erweckt, dass sich in den Nahverkehrsmitteln vorwiegend Rüpel aufhalten, die Mitfahrer durch mitgebrachte Speisen und Getränke, Musikdarbietungen, Hunde, Grippeviren und Körperschweiß belästigen. Unterstützt wird die Kampagne noch mit Plakaten mit dem Titel: „TSCHÖPNV!“ [Übersetzung für Nichtrheinländer: Tschüs Öffentlicher Nahverkehr], auf denen damit geworben wird, dass im Gegensatz zum ÖPNV in der Hauptverkehrszeit immer zwei freie Plätze im „smart“ zur Verfügung stehen.

Damit wird ein negatives Zerrbild des ÖPNV gezeichnet, das mit der Realität des heutigen Nahverkehrs in Deutschland überhaupt nichts zu tun hat. Während die Zulassungszahlen des nicht mehr ganz taufrischen Miniautos „smart“ in Deutschland seit Jahren sinken (seit 2004 um -44%), nahm der Nahverkehr im gleichen Zeitraum um 15 % zu und gewinnt mit modernen komfortablen Fahrzeugen und schnellen Verbindungen immer mehr Kunden.

Die Kampagne steht außerdem in starkem Kontrast zum neuen Leitbild von Daimler, das unter dem Stichwort „Green Mobility“ auch die Nachhaltigkeit als Geschäftsziel enthält. Mit multimodalen Verkehrskonzepten, wie dem  CarSharing-Modell car2go sollen Individualverkehr und ÖPNV intelligent verknüpft werden und damit neue Geschäftsbereiche etabliert werden. Die nun vorgestellten Werbevideos legen allerdings den Verdacht nahe, dass hier “Greenwashing“ betrieben wird und dass ganz andere Motive hinter diesen Geschäftsideen stehen. Offenbar sollen vor allem Kunden aus dem ÖPNV abgeworben werden, was auch erklären würde, weshalb Daimler darin keine Konkurrenz zum klassischen Neuwagengeschäft sieht.

Die Präsentation des smart-Videos im Internet und den sozialen Medien ist der verzweifelte Versuch, mit Negativ-Werbung gegen den ÖPNV eine junge Käuferschicht zurück zu gewinnen, für die das eigene Auto seinen Stellenwert als Statussymbol verloren hat.

Sonderbar ist die Kampagne auch vor dem Hintergrund, dass die Firma Daimler gleichzeitig Marktführer im europäischen Omnibusgeschäft ist. Auf die Nahverkehrsbetriebe, die diese Omnibusse kaufen sollen, wirkt eine derartig negative Beschreibung des ÖPNV mit Sicherheit eher abschreckend. Die Kunden seiner Kunden so darzustellen, erscheint nicht besonders klug.

Mittlerweile ist auch dem hartnäckigsten Autofahrer klar, dass ohne öffentliche Verkehrsmittel auf den Straßen ein Dauerstau herrschen würde, so dass der Angriff auf eine für alle nützliche Einrichtung eher das Ansehen der Firma Daimler beschädigen könnte. Diese Erfahrung musste auch die Firma General Motors im Jahr 2003 in Kanada machen, als sie in einer Zeitschrift eine Anzeige veröffentlichte, in der ein Bus mit der Linienanzeige „Creeps and Weirdos“ (auf deutsch: „widerliche Typen und Psychopathen“) gezeigt wurde und darauf hingewiesen wurde, dass es mit einem GM-Auto „glücklicherweise eine erschwingliche Alternative“ gäbe. Dagegen gab es viele Proteste aus der Bevölkerung, so dass die Firma schließlich gezwungen war, die Werbung zurückzuziehen und sich zu entschuldigen.

Die Bonner Runde findet die Kampagne fragwürdig und regt an, dass Daimler in seiner Werbung wieder zum gesellschaftlichen Konsens einer sinnvollen Aufgabenteilung aller Verkehrsträger zurückzukehren sollte. Dass die Busabteilung von Daimler auch gute Werbespots machen kann, sieht
man übrigens in diesem Video

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Die Bonner Runde ist ein verkehrspolitischer Arbeitskreis verschiedener Mitglieder aus fast allen Landesverbänden des Fahrgastverbands PRO BAHN. Die Bonner Runde als unabhängiges und überparteiliches Zukunftsforum versteht sich als Strategieplattform und Denkfabrik, setzt sich mit wichtigen Themen des Öffentlichen Verkehrs auseinander und entwickelt praxisbezogene, zukunftssichere und bezahlbare Lösungen. Die Bonner Runde wird moderiert vom Verkehrswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Monheim und tagt zur Abstimmung ihrer unterschiedlichen Aktivitäten regelmäßig in Bonn.

Die Bonner Runde spricht in ihrer vielfältigen Zusammensetzung nicht  für den Bundesvorstand und nicht für PRO BAHN generell, sondern für mitmachende regionale Gliederungen.
Veröffentlicht am 27.02.2013 | 5.157 Klicks

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