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Oberleitungsschaden zwischen Bielefeld und dem Ruhrgebiet - und die Folgen
Persönlicher Bericht eines betroffenen Fahrgastes
Manchmal nehmen Zugverspätungen, Ausfälle und vor allem das zugehörige "Krisen-Management" schon sehr bizarre Formen an.
So auch am 05.10.2012, als die Strecke Rheda-Wiedenbrück - Hamm von einem Oberleitungsschaden betroffen war.  

Wir haben dazu von einem betroffenen Fahrgast die Kopie einer Beschwerde-E-Mail erhalten - bislang erhielt der Fahrgast [Name aus Datenschutzgründen geändert] noch keinerlei offizielle Reaktion oder Entschuldigung seitens der angeschriebenen offiziellen Stellen.

Die E-Mail liest sich wie ein Erfahrungsbericht - zum Abschluss werden aber auch aus unserer Sicht als Fahrgastverband wichtige Forderungen an die verantwortlichen Stellen abgeleitet.
Daher an dieser Stelle die Veröffentlichung dieser Zuschrift:


Sehr geehrte Damen und Herren der DB Regio NRW,

sehr geehrte Damen und Herren der Keolis Deutschland GmbH & Co. KG,

vermutlich trudeln täglich Nachrichten wie diese bei Ihnen ein, dennoch würde ich mich freuen, wenn Sie mir wenige Minuten Ihrer Aufmerksamkeit schenken würden.

Am vergangenen Freitag gab es zwischen Rheda-Wiedenbrück und Hamm einen Oberleitungsschaden, der dazu führte, dass der Zugverkehr zwischen dem Ruhrgebiet und Ostwestfalen-Lippe zum Erliegen kam. Dafür mache ich der Bahn selbstverständlich keinen Vorwurf, so etwas kann passieren und liegt außerhalb dessen, was von der Bahn steuerbar ist.

Für mich als regelmäßigen Bahnkunde war jedoch der Umgang mit den daraus folgenden Konsequenzen unfassbar. Sämtliche Züge in Richtung Hamm wurden in Rheda-Wiedenbrück gestoppt. So auch mein Zug der Eurobahn, der um 15.27 Uhr von Bielefeld aus über Hamm in Richtung Münster aufbrach. Weder in Bielefeld, noch im Zug der geringste Hinweis darauf, dass die Fahrt bereits in Rheda-Wiedenbrück enden könnte. Doch plötzlich, wir standen bereits in Rheda-Wiedenbrück, erklärte der Zugführer, dass wir alle aussteigen sollen, da die Fahrt hier ende. Einen Schienenersatzverkehr gebe es aber noch nicht.

Etwas irritiert gingen wir Fahrgäste in die Bahnhofshalle, wo es genau einen Verkaufsschalter für Tickets gab (deren Betreiber aber darauf hinwiesen, dass man sie zu nichts fragen bräuchte, da sie nur Karten verkaufen und keine Bahnmitarbeiter sind) und einen Bahnmitarbeiter in roter Weste. Hinzu kamen dann noch geschätzte 1.000 Fahrgäste, die alle planlos vor dem Bahnhof Rheda-Wiedenbrück standen, ohne eine Ahnung zu haben, was denn jetzt passieren soll. Erschwerend kam hinzu, dass es sehr kalt war und es stark regnete. Einige Zeit später kam dann eine Durchsage, dass jetzt ein SEV eingerichtet sei und gleich die ersten Busse bis Ahlen fahren würden, von wo aus dann die Fahrt nach Hamm mit dem Zug weitergehen sollte. Tatsächlich trudelte kurz darauf ein Reisebus (!) ein, der den SEV für etwa 1.000 Menschen am Bahnhof darstellen sollte. Das Chaos, das entsteht, wenn 1.000 Menschen bei Regen und Kälte in einen Reisebus mit ca. 50 Sitzplätzen möchten, können Sie sich vielleicht vorstellen. Der Bahnmitarbeiter vor Ort konnte ob der Lage auch nur mit der Schulter zucken. Der Busfahrer hingegen war schon einen Schritt weiter und rief die Polizei, nachdem er erklärt hatte, dass gleich 4 weitere Busse kommen sollen und er vorher auch nicht losfahre. Als nach 20 Minuten immer noch kein weiterer Bus angekommen war, entschied sich der Busfahrer plötzlich doch, loszufahren, doch etwa 99% der Menschen am Bahnhof warteten weiter vergeblich auf den versprochenen SEV. Erschwerend kam hinzu, dass weiterhin ständig Züge in Rheda-Wiedenbrück gestoppt wurden und sich der Bahnhof immer weiter füllte.

Die Lage in Rheda-Wiedenbrück schien mir aussichtslos und zudem fand ich es schockierend, dass offensichtlich keine Kommunikation über die Lage in Rheda-Wiedenbrück stattfand, denn anders kann ich es mir nicht erklären, dass weiterhin Züge in diesen kleinen Bahnhof geleitet und nicht z.B. bereits in Bielefeld gestoppt wurden. Entsprechend machte ich mich um kurz nach halb fünf wieder auf den Weg zurück nach Bielefeld, um dort Informationen zu erhalten, wie ich denn jetzt an meinen Zielort (Erkelenz) gelangen sollte. Dabei fragte ich den Bahnmitarbeiter auch, ob es ausnahmsweise möglich sei, dass ich mit dem IC oder ICE ab Löhne fahren dürfe (die Durchsagen für Fernverkehrsreisende versprachen, dass die Züge von dort aus in Richtung Ruhrgebiet umgeleitet würden).  Des Weiteren wies ich den Mitarbeiter auf die Lage in Rheda-Wiedenbrück hin und bat ihn, doch zumindest Kontakt mit dem dortigen Mitarbeiter aufzunehmen. Dieser Vorschlag wurde zumindest in meiner Anwesenheit nicht angenommen, dafür erhielt ich eine recht schroffe Abfuhr, dass ich mit meinem Semesterticket – auch nicht bei solchen Ausnahmesituationen – keinen IC oder ICE nutzen dürfe. Aber, so ergänzte er weiter, der RE6 um 17 Uhr Richtung Düsseldorf fahre wieder bis nach Düsseldorf durch, die Strecke sei frei. Ich fragte wirklich mehrmals ob er sich da sicher sei und er garantierte es mir.

Also ging ich um 17 Uhr zum Gleis, wo auch tatsächlich eindeutig stand, dass der Zug nach Düsseldorf fahre – kein Hinweis darauf, dass es irgendwelche Probleme geben könnte. Auch die Beschilderung des Zuges bei der Einfahrt war eindeutig: Düsseldorf. Kaum hatte der Zug jedoch Bielefeld verlassen, sagte die Zugbegleiterin allen Ernstes, dass dieser Zug in Rheda-Wiedenbrück ende und dort ein SEV bereitstünde. Meine Gemütslage bei dieser Information können Sie sich vermutlich vorstellen, so hatte ich es in zwei Stunden nicht geschafft, weiter als von Bielefeld nach Rheda-Wiedenbrück zu kommen. Nun gut, also wieder raus und zurück auf den Bahnhofsvorplatz, gemeinsam mit einem vollen RE6 Richtung Düsseldorf an einem Freitag – das sind etwa 800 Fahrgäste. Und wie viele Busse standen bereit? Sie ahnen es, kein einziger. Nach einiger Wartezeit entschied ich mich dann, den „Warendorfer“ Richtung Münster zu nutzen (ein Vorschlag, den noch kein einziger Bahnmitarbeiter unterbreitet hatte) und von dort aus in Richtung Düsseldorf zu fahren. Während ich am Gleis wartete, konnte ich einerseits noch den Bahnhofsvorplatz beobachten, an dem auch bis 17.45 Uhr kein einziger SEV-Bus angekommen war, andererseits rauschte aber auch ein IC an mir vorbei in Richtung Hamm, wo ich mich bis jetzt frage, wohin dieser Zug denn gefahren ist, wenn es einen Oberleitungsschaden auf der Strecke gab?!

Dass der Regionalexpress von Münster nach Düsseldorf während der Fahrt eine über 20-minütige Verspätung herausfuhr und mir nach fast 6 Stunden Zugfahrt in Duisburg durch die Lautsprecher mitgeteilt wurde, dass der Regionalexpress „heute ausnahmsweise in Duisburg endet und von dort aus wieder zurück nach Münster fährt“, ist nur noch eine kleine Anekdote am Rande – aber ich kann Ihnen versichern, einen vollen RE2 in einen vollen RE3 in Duisburg umzuladen ist eine riesige Freude und im Zug war es auch gar nicht eng!

Schließlich die Frage, weshalb ich Ihnen das alles schreibe und Sie gebeten habe, sich ein wenig Zeit zu nehmen, diese Nachricht zu lesen. Natürlich fände ich es schön, wenn Sie sich bei mir entschuldigen würden und auch eine Ihrer Meinung nach angemessene Entschädigung würde ich nicht ablehnen. Was mir jedoch um ein Vielfaches wichtiger ist, ist, dass ein solches Chaos nicht nochmal entsteht. Damit meine ich konkret:

1) Eine verbesserte Kommunikation zwischen den Bahnhöfen. Es kann nicht sein, dass zu einem kleinen Bahnhof immer weiter Züge geschickt werden, während dort kein oder nur ein sehr unzureichender SEV existiert.

2) Ein Notfallplan für den SEV. Dass stundenlang kein funktionierender Busverkehr existierte ist meiner Meinung nach unbegreiflich für ein globales, großes Unternehmen wie der Deutschen Bahn.

3) Bessere Hinweise und Ausschilderungen an den Bahnhöfen und im Zug. Weder hatte die Eurobahn einen Hinweis am Zug, dass die Fahrt in Rheda-Wiedenbrück enden könnte, noch der RE6. Hinzu kam der sehr trockene Hinweis des Eurobahnzugführers, dass die Fahrt nun ende sowie die miserable Ausschilderung am Bielefelder Bahnhof, die sowohl suggerierte, dass die RB69 nach Münster als auch dass der RE6 nach Düsseldorf fährt – kein Hinweis auf irgendwelche Probleme.

4) Ein flexibleres Reagieren sowie eine bessere Information der Service-Point-Mitarbeiter. Wie ich nachträglich erfuhr, wäre es mir im Rahmen der Mobilitätsgarantie erlaubt gewesen, auf einen IC/ICE umzusteigen. Eine Information, die ich mir vor Ort gewünscht hätte (wofür sonst gehe ich zu einem Servicepoint?). Dass ich im Übrigen nicht die Möglichkeit der Mobilitätsgarantie genutzt habe, ein Taxi zu nehmen, lässt sich ganz einfach erklären: In Rheda-Wiedenbrück gab es selbstredend kein einziges Taxi mehr.

Ich würde mich sehr über eine Antwort Ihrerseits freuen, auch bezüglich meiner Vorschläge, wie sich ein solches Chaos zukünftig vermeiden ließe.

Mit besten Grüßen
Veröffentlicht am 22.10.2012 | 3.222 Klicks

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