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Niederrhein-Info 01/2012
Januar-März 2012
8. SchokoTicket: Lauter Protest! Leise Akzeptanz?
Von David van der Grinten
Mittlerweile haben sich 32 von insgesamt 43 Schulträgern am unteren Niederrhein vertraglich an das SchokoTicket gebunden. Je nach Vertrag erfolgte die Einführung bereits im August 2011 oder Februar 2012. Wenige Schulträger folgen erst im kommenden Sommer.

Lauter Protest
Lauter Protest war überall zu hören. Zusätzliche Kosten gehen erst mal zu Lasten jeden Geldbeutels, was ja auch nachvollziehbar ist. Gerade vom Lande, wo Dörfer und Ortsteile teilweise gänzlich vom ÖPNV außer der „reinen“ Schulbusbeförderung abgeschnitten sind, kann der Unmut auch von uns nachempfunden werden. Der Freizeitnutzen ist nur mit „Taxi Mama“ nutzbar, teilweise sogar so drastisch, dass zum Beispiel der Besuch eines Sportvereins am späten Nachmittag ohne „Taxi Mama“ nicht möglich ist. Hier muss für Abhilfe gesorgt werden! Es sollte sichergestellt werden, dass Schüler auch nach Freizeitangeboten am Schulort auch noch um 17 oder 19 Uhr nach Hause mit dem Bus fahren können. Im Zeitalter der Mobiltelefone wäre auch ein Taxi-Bus-System möglich, um das Angebot dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Als Beispiel können die StadtLinien in Xanten dienen. Hier wird jeder Ortsteil noch nach Erreichen des letzten Zuges in Xanten bedient. Die Bestellung sollte aber über „normale“ Rufnummern erfolgen können und nicht über Sonderrufnummern, die eine Taxi-Bus-Fahrt mit Zusatzkosten unnötig in die Höhe treiben. Zudem muss eine Bestellannahme bis 30 Minuten der Abfahrt gewährleistet sein, was derzeit auch nicht überall der Fall ist.
Hinweis: Sonderrufnummern, die aus dem deutschen Fetznetz 3,9 Cent/Min. kosten, schlagen vom Mobiltelefon mit max. 42 Cent/Minute zur Buche. Dann kann eine Taxi-Bus-Bestellung auch mal ganz schnell einen Euro extra kosten.  

Azubi-Ticket als „vorläufige“ Alternative
Die Schulträger, die sich bisher gegen das „SchokoTicket“ entschieden haben, darunter unter anderem die Städte Rees und Wesel, mussten zum Februar 2012 die VGN-Monatskarte im Ausbildungsverkehr von den betroffenen Verkehrsunternehmen für Ihre Schüler abnehmen, da der Vertrieb der ehemaligen Schülerträgerkarte komplett eingestellt wurde. Für die jeweiligen Schulträger führt diese Alternative bereits zu Mehrkosten. Und diese Mehrkosten könnten sich nach den Sommerferien drastisch erhöhen, wenn keine finanzierbare Lösung für die Schulträger und Verkehrsunternehmen ausgehandelt werden kann.

Hintergrund
Ab dem 1. August tritt die im ÖPNV-Gesetz des Landes NRW im § 11 a aufgeführte Novellierung der finanziellen Förderung des Ausbildungsverkehrs in Kraft, mit der Folge, dass Fahrkarten im Ausbildungsbereich nur noch dann zuschussfähig sind, wenn Sie mindestens 20 Prozent günstiger als die Normalmonatsfahrkarte sind. Das trifft beim „SchokoTicket“ grundsätzlich zu, da als Referenzticket das Ticket1000 in der Preisstufe D bzw. E (Geltungsbereich) zu Grunde gelegt wird. Bei der VGN-Monatskarte im Ausbildungsbereich wird als Referenz das Ticket1000 in der jeweiligen Preisstufe (also A1 oder B) zu Grunde gelegt. Und hier liegt der Unterschied unter 20 Prozent. Um es auf dem Punkt zu bringen, müssten die Preise entweder gesenkt werden, was wiederum zu Min-dererlösen bei den Verkehrsunternehmen führen würde oder die Schulträger hätten nur noch das Ticket1000 als Schoko-Ticket-Alternative, falls keine andere tarifliche Lösung gefunden werden sollte. Dieses Szenario dürfte sich dann wohl kein Schulträger mehr leisten können, auch wenn er es wollte.

YoungTicket
Das YoungTicket, welches derzeit nur angeboten wird, wenn der Wohnort oder Ausbildungsort im Alt-VRR-Raum liegt, könnte eine Alternative sein, da der Unterschied über 20 Prozent zum Ticket 1000 liegt. Dieses wurde am 1. Januar innerhalb der Kreise Kleve und Wesel nicht eingeführt, um mögliche Durchtarifierungsverluste aufzufangen, die durch die Einführung des VRR-Tarifes entstehen dürften. Um dieses Ticket auch am unteren Niederrhein frühzeitig einführen zu können, müssten die Aufgabenträger, sprich die Kreise Kleve und Wesel ihre Zuschüsse erhöhen, was kurzfristig dann doch eher unwahrscheinlich sein sollte.

Leise Akzeptanz?
Das Thema „SchokoTicket“ war in den letzten Monaten neben der BETUWE-Strecke regelmäßig Thema in den örtlichen Medien. In der Regel wurde „Contra“ Schoko-Ticket berichtet. Aber wer heute Bus und Bahn fährt, wird bemerken, dass die Schüler auch mit Ihrem „SchokoTicket“ in der Freizeit abends oder am Wochenende unterwegs sind. Diese Gruppe hat sich natürlich nicht vehement an die Öffentlichkeit gewandt, warum auch? Wie groß die Akzeptanz ist, kann man nur schätzen, aber ich bin persönlich überzeugt, dass dies auch eine „breite“ Masse ist. Ich habe über das Internet auch eine Anfrage erhalten, bei der ein Elternteil das SchokoTicket zum Selbstzahlerpreis für ihr Kind für 29,80 EUR erwerben wollte. Da sich das Schulamt des Wohnortes bisher gegen das SchokoTicket entschieden hat, wurde das Kind aus dem Solidarmodell „SchokoTicket“ ebenfalls ausgeschlossen. Als Alternative bleibt den Eltern zunächst nur das deutlich teurere „Ticket1000“. Eigentlich Schade!

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Veröffentlicht am 08.03.2012 | 5.027 Klicks

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